Blutegeltherapie
Was ist die Blutegeltherapie?
Die Blutegeltherapie ist ein Ausleitungsverfahren. Darunter versteht man Verfahren, welche eingelagerte Schlacken oder Schadstoffe über den Blutkreislauf aus dem Körper ausleiten.
Was die Blutegeltherapie von allen anderen Ausleitungsverfahren, wie zum Beispiel dem Aderlass oder dem „blutigen Schröpfen“ unterscheidet, ist die Wirkung des Speichels der Blutegel.
Das Speichelsekret, welches beim Saugen des Blutegels in das Blutkreislaufsystem der Patient:innen abgegeben wird, hat eine besondere Wirksamkeit und Verträglichkeit und kann bei einer Vielzahl an Erkrankungen eingesetzt werden.
Wissenschaftler:innen haben in dem Sekret über 20 verschiedene Inhaltstoffe entdeckt, unter anderem Eglin und Hirudin. Diese sind besonders wirksam, denn der Wirkstoff Eglin dient als ein natürlicher Entzündungshemmer und ist schmerzlindernd. Der Wirkstoff Hirudin wirkt unter anderem krampflösend, hemmt die Blutgerinnung und hat eine entstauende Wirkung.
Anwendungsgebiete
Die Blutegeltherapie kommt häufig zum Einsatz bei:
- Venenerkrankungen wie Besenreisern, Krampfadern, Thrombosen, Hämorrhoiden,
- Herz-Kreislauferkrankungen,
- Gelenkerkrankungen wie Arthrose, Arthritis, Rheuma, Gicht,
- Chronischen Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden,
- Leberstau, Lymphstau,
- Blutergüssen,
- Migräne.
Besonders bei Arthrose können die Blutegel durch ihren Speichel die Schmerzen lindern und durch den entstauenden Effekt Schwellungen reduzieren. Generell ist die Blutegeltherapie äußerst hilfreich bei allen Erkrankungen, denen Durchblutungsstörungen oder Entzündungsprozesse zugrunde liegen.
Ablauf der Blutegelbehandlung
Da medizinische Blutegel sehr sensible und geruchsempfindliche Tiere sind, darf die entsprechende Hautpartie etwa drei Tage vor der Behandlung weder mit Seife gewaschen noch eingecremt werden. Weitere Dinge, die zu beachten sind, werden den Patient:innen in einem zusätzlichen Informationsblatt mitgeteilt.
Zu Beginn wird der Blutegel auf die zu behandelnde Stelle gesetzt. In der Regel erkennt er selbst die zu behandelte Stelle und dringt mit seinen kleinen Zähnchen in die Haut des Patienten ein. Das aus diesem Vorgang hervorgehende Gefühl ist vergleichbar mit dem Stich einer Mücke und ist nach kurzer Zeit nicht mehr zu spüren.
Die Blutegelbehandlung nimmt zwischen 30 und 90 Minuten in Anspruch. In dieser Zeit nimmt ein Blutegel 10 bis 20 ml Blut auf. Für eine Behandlung werden ca. 2-6 Tiere benötigt, welche nach der Terminvereinbarung im Voraus von mir beschafft werden.
Wenn ein Egel sich vollgesaugt hat, fällt dieser von alleine ab.
Die anschließende Blutung der Wunde ist erwünscht und sollte keineswegs unterbunden werden. Dadurch wird die Wirksamkeit der Blutegelbehandlung erhöht und die Wunde von etwaigen Keimen befreit.
Zum Abschluss der Behandlung wird die Wunde mit einem sterilen und lockeren Verband versorgt. Das Nachbluten dauert meistens nicht länger als 12 Stunden.
Falls sich die behandelte Stelle beispielsweise an den Beinen, Füßen oder Händen befindet, sollten Sie sich bestenfalls abholen lassen, da das Führen eines Fahrzeuges nur schwierig oder nicht möglich ist.
Wann darf eine Blutegeltherapie nicht eingesetzt werden?
- Bei Patient:innen mit Hämophilie („Bluterkrankheit“),
- während der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten wie ASS oder Marcumar,
- bei sehr niedrigem Blutdruck,
- bei untergewichtigen Menschen,
- bei schweren Leberschädigungen,
- während der Schwangerschaft und Stillzeit,
- bei akuten fieberhaften Erkrankungen.